Was ist in einem Namen: Bedeuten psychiatrische Diagnosen etwas?

Im Gegensatz zu anderen Bereichen der Medizin werden psychiatrische Diagnosen in der Regel aus weniger objektiven Daten extrapoliert. In der Psychiatrie gibt es keine Blutuntersuchungen, keine MRT-Optionen, keine Biopsieergebnisse, keine Bakterienkulturen, die helfen, Krankheiten zu definieren und eine Behandlung vorzuschlagen. Subjektive Beschreibungen der inneren Symptome des Patienten, die in den persönlichen Vorurteilen des Arztes mariniert sind, bestimmen die psychiatrische Klassifikation. Ein Etikett der Major Depressive Disorder schlägt eine Sammlung von Symptomen vor, die eine Vielzahl von klinischen Erscheinungsformen definieren.

Eine neue Studie1 analysierte das aktuelle Diagnose- und Statistikhandbuch (DSM-5), um die Kriterien für die Klassifizierung mehrerer Erkrankungen zu bewerten. Die Forschung zeigte, dass Diagnosen durch unterschiedliche Entscheidungsregeln bestimmt wurden, dass es eine enorme Überschneidung von Symptomen zwischen verschiedenen Diagnosen gab, dass Diagnosen die Rolle vorhergehender traumatischer Ereignisse ignorierten und dass nur wenig über den einzelnen Patienten verstanden wurde. Die Forscher waren der Meinung, dass diagnostische Etiketten eine "Illusion einer Erklärung" erzeugen, ein Stigma hervorrufen können und letztendlich "wissenschaftlich bedeutungslos" sind.

Ein weiterer Bericht2 untersuchte das von der Weltgesundheitsorganisation vorgeschlagene alternative Klassifizierungssystem, die Internationale Klassifizierung von Krankheiten und verwandten Gesundheitsproblemen (ICD-11). Die Ermittler fragten Patienten mit psychischen Störungen, wie genau die Definitionen ihrer Krankheiten ihre Erfahrungen widerspiegeln. Die Teilnehmer stellten fest, dass der ICD-Entwurf keine individualisierten emotionalen Erfahrungen enthielt. Sie schlugen spezifischere Symptome vor, um eine Krankheit zu definieren. Sie waren der Ansicht, dass bestimmte Bezeichnungen wie „unorganisiert“ und „schlecht angepasst“ unklar und stigmatisierend waren.

Diese Studien deuten darauf hin, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben, um endgültig psychiatrische Kennzeichnungen zu etablieren, die individuelle Behandlungspläne generieren. Unsere derzeitigen Klassifikationssysteme sind zwar alles andere als perfekt, aber sie sind Versuche, die Psychopathologie besser zu verstehen und neue Wege zur Behandlung von psychischen Schmerzen zu entwickeln.